Winter Lectures: Elektromobilität im öffentlichen Verkehr
Im Winter 2009/2010 laden das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) und das EUREF-Institut Berlin erstmals zu öffentlichen Diskussionsabenden rund um das Topthema Elektromobilität. Fachreferenten aus Wissenschaft und Wirtschaft berichten über aktuelle Elektromobilitätskonzepte und diskutieren Chancen und Risiken möglicher Entwicklungsoptionen.
Die Veranstaltungen finden ab 3. Dezember 2009, jeweils an Donnerstagen, im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung statt.
Ort: Reichpietschufer 50, 10785 Berlin
Zeit: 18 - 20 Uhr
Veranstaltungsflyer der Winter Lectures 2009/2010
> Veranstaltungsplan
Inhalte der Veranstaltungsreihe:
Das Elektrofahrzeug gilt als Hoffnungsträger einer nachhaltigen Mobilität. Gegenwärtig existieren jedoch noch erhebliche technische und soziale Entwicklungshürden. Mit den derzeitigen Reichweitengrenzen und dünnen Infrastrukturdichten kann das Leitbild der individuellen Automobilität noch nicht elektrisch bedient werden. Das Aufladen eines batterie-basierten Elektrofahrzeugs ist z. B. nur mit großem finanziellem und organisatorischem Aufwand an die herkömmlichen Tankgewohnheiten anzupassen. Die Elektrizitätswirtschaft hofft aber, gerade von neuartigen Modalitäten zu profitieren – etwa, indem mit einer intelligenten Netzintegration eine Glättung von Lastspitzen und -senken erreicht wird.
Die unbestrittenen Vorzüge der Elektromobilität, wie Geräuschs- und Emmissionsarmut, prädestinieren das Elektrofahrzeug zunächst für die Stadt- bzw. Nahbereichsmobilität, also für einen Nutzungsraum, der bisher die Domäne des Öffentlichen Nahverkehrs ist. In dieser Hinsicht besteht die Herausforderung darin, durch eine kundengerechte Inter- und Multimodalität des Öffentlichen Verkehrs und elektrischer Straßenfahrzeuge zu einer Optimierung des innerstädtischen Verkehrsangebots zu kommen. Dazu können flankierende digitale Mobilitätsdienste wie Informations- oder Navigationsangebote einen wesentlichen Beitrag leisten und neue Nutzersegmente erschließen. Bei der praxisnahen Implementierung dieser Dienste rückt das Thema Open Innovation, d.h. der Einbezug der NutzerInnen als Teil der Produktentwicklung, in den Blick. Die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle von Akteuren, die bisher eher nicht im Verkehrssektor aktiv waren (wie z. B. die Energieversorger), können hierbei für die Markteinführung einer breiten Palette von Elektro- und Hybridfahrzeugen, einschließlich E-Rollern und Pedelecs, zusätzliche Impulse geben.
Veranstaltungsplan
03.12.09 Auftakt: E-Mobility im Öffentlichen Verkehr – Visionen und Möglichkeiten
Referent: Prof. Dr. Andreas Knie (InnoZ GmbH)
Kommentatorin: Prof. Dr. Christine Ahrend (TU Berlin)
Moderation: Ulrich König (InnoZ GmbH)
Präsentation Prof. Dr. Andreas Knie
Präsentation Prof. Dr. Christine Ahrend
17.12.09 Vehicle to Grid – Fahrzeugbatterien als neuer Baustein der Versorgungssicherheit
Referent: Clemes Fischer (Vattenfall)
Referent: Prof. Dr. Kai Strunz (TU Berlin)
Moderation: InnoZ GmbH
Nachlese der Veranstaltung
Präsentation Clemens Fischer
14.01.10 Intermodalität in Städten – Neue Lastenhefte für Elektroautos
Referent: Bernhard Grünewald (Toyota Motor Europe)
Kommentator: Dr. Weert Canzler (WZB)
Moderation: InnoZ GmbH
Nachlese der Veranstaltung
Präsentation Bernhard Grünewald
Präsentation Dr. Weert Canzler
28.01.10 Informations- und Kommunikationstechnologie in der E-Mobility
Referent: Michael Frankenberg (HaCon)
Referent: Andreas Bentz (T-Systems International)
Kommentator: Christian Maertins
Moderation: InnoZ GmbH
Nachlese der Veranstaltung
Präsentation Michael Frankenberg
Präsentation Andreas Bentz
11.02.10 Open source Management von Innovationen bei E-Mobility
Referent: Herr René Rohrbeck (TU Berlin)
Kommentator: Herr Andreas Manthey (Bundesverband Solare Mobilität)
Moderation: InnoZ GmbH
Nachlese der Veranstaltung
Präsentation René Rohrbeck
25.02.10 Schlussrunde: E-Mobility - Neues Geschäftsmodell im Öffentlichen Verkehr?
Referent: Stephan Wehrmann (DB AG)
Referent: Carl-Friedrich Eckhard (Dornier Consult, Leiter Automotive)
Moderation: InnoZ GmbH
Winter Lectures - Nachlese
EUREF-Institut/InnoZ Winter Lecture "Vehicle to Grid"
17.12.2009. 18-20 Uhr, WZB
Am 17. Dezember 2009 fand die zweite Veranstaltung der Winter Lectures im Wissenschaftszentrum Berlin statt, diesmal zum Thema "Vehicle to Grid".
Clemens Fischer (Innovationsmanager bei Vattenfall) und Prof. Dr. Kai Strunz (Professor an der TU Berlin) berichteten über die Zukunftsaussichten der Netzintegration von Elektrofahrzeugen.
Herr Fischer schilderte aus Versorgersicht die Potentiale und Probleme beim Lastenausgleich in Stromnetzen mit erneuerbaren Energien. Herr Strunz erklärte die aus Forschungsperspektive mögliche Netzarchitektur, in der Fahrzeugbatterien zum effizienten Zwischenspeicher werden könnten.
Die von Andreas Knie (InnoZ GmbH) moderierte Diskussion kam zu dem Schluss, dass der Vorteil für das Netz im Wesentlichen von automobilen Nutzungsverhalten abhängt. Kostenanreize können einen Beitrag dazu leisten, E-Mobilisten für neue Nutzungsmodalitäten zu gewinnen.
EUREF-Institut/InnoZ Winter Lecture, „Intermodalität in Städten -
neue Lastenhefte für Elektroautos"
14.01.2010. 18-20 Uhr, WZB
Am 14.01.2010 fand die dritte Veranstaltung der EUREF-Institut/InnoZ "Winter Lectures" statt. Den Vortrag hielt Herr Bernhard Grünewald (Leiter der Konzernrepräsentanz von Toyota Motor Europe in Berlin). Herr Grünewald erläuterte die technologischen Argumente für Toyotas Hybrid-Konzept als Kombination des klassischen Verbrennungsmotors und dem modernem Batteriebetrieb. Toyota hofft, auf diesem Wege die Hürden der Elektromobilität auf der Straße, vor allem die derzeitigen Defizite in der Akkutechnik, zu überwinden. Den Kommentar sprach Herr Dr. Weert Canzler (Mobilitätsforscher im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung). Herr Canzler erweiterte das Thema um fünf Thesen, in denen er seine Annahmen über den Bedeutungsverlust des Automobils als Statussymbol sowie die zunehmenden Emissions- und Platzprobleme in Ballungsräumen ausdrückte. Zudem wies Herr Canzler auf die zunehmende Urbanisierung hin, die mit stetig sinkenden Reichweitenbedürfnissen der KundInnen einherginge. Was macht ein Autobauer wie Toyota, so seine Kernfrage, wenn den KundInnen Autobesitz und Antriebswahl zunehmend gleichgültig sind und stattdessen die reine Ortsveränderung zählt. Es könnte der Bedarf an neuen Fahrzeugsegmenten und Nutzungmodi entstehen - etwa "zwischen" dem herkömmlichen Universalauto und den heutige Kurzstreckenvehikeln. Herr Grünewald entgegnete, dass dies im Wesentlichen von den Wünschen der KundInnen und den politischen Rahmenbedingungen abhinge. Letztlich wäre entscheidend, ob Menschen den Mut zur Kaufentscheidung hätten, obwohl der Markt noch nicht genau absehbar ist. Ebenso entscheidend wäre die Frage, inwieweit die Politik bereit ist, sich auf bestimmte Entwicklungen festzulegen. Die abschließende Diskussion, die von Herrn Ulrich König (InnoZ) moderiert wurde, verdeutlichte die Bedeutung des urbanen Umfeldes. So ist etwa die Nutzung neuer Elektrofahrzeuge von der Sicherheit im Zusammenhang mit schweren Großkarossen abhängig. Hier könnte eventuell die Stadtplanung bauliche Absicherung schaffen.
EUREF-Institut/InnoZ Winter Lecture, „IuK-Technologie in der eMobility"
28.01.2010. 18-20 Uhr, WZB
Am 28. Januar fand die 4. Veranstaltung der EUREF-Institut/InnoZ Winter Lectures statt. Diesmal lautete das Oberthema „Informations- und Kommunikationstechnologie in der eMobility“. Marc Schelewsky (InnoZ) begrüßte die Referenten Michael Frankenberg von der HaCon Ingenieursgesellschaft sowie Andreas Bentz von T-Systems International. Den Kommentar sprach Christian Maertins vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.Herr Frankenberg stellte die Verzahnung der Verkehrsträger über Echtzeitinformationen in den Mittelpunkt seines Vortrages. Ein individuelles Informationsangebot könne Pendlern und Reisenden helfen, komplexe Mobilitätsketten und vielfältige Verkehrssituationen besser einzuschätzen. Kombiniert mit elektronischen Ticketsystemen, etwa per iPhone, solle dies zum verstärkten Wechsel zwischen Verkehrsträgern einladen. Um seine Betrachtungsweise zu untermauern, demonstrierte Herr Frankenberg zudem internationale IuK-Systeme, z.B. in Österreich, Dänemark und Schweden.
Herr Bentz bot in seinem Vortrag einen Überblick über die energiewirtschaftliche Infrastruktur in der eMobility und verfolgte die These, dass eMobility nicht nur eine Frage des Fahrzeugs und der Akkutechnik sei, sondern auch vom Zusammenspiel mit der elektrischen Versorgungslage abhänge. Es sei davon auszugehen, dass sich, ähnlich wie in der Telekommunikation, die Angebotsvielfalt in der Stromwirtschaft vergrößern werde. Die Integration erneuerbarer Energieerzeugung bedeute somit einen erhöhten Abrechnungsaufwand bei der Integration von Elektromobilität in den Verkehr. So stelle sich beispielsweise die Frage nach der personenbezogenen Nutzung von Ladestationen im öffentlichen Raum. Hierbei könnten Erfahrungen und Technologien aus der Telekommunikation sehr hilfreich sind.
In seinem abschließenden Kommentar unterstrich Herr Maertins die Bedeutung von bekannter Alltagstechnik wie Internet und iPhone zur Senkung von Innovationsbarrieren. Durch spielerisches Herantasten entstehe ein Vertrauensvorschuss zur Aneignung neuen Verkehrsverhaltens.
EUREF-Institut/InnoZ Winter Lecture, „Open Source Management von Innovationen bei E-Mobility"
12.02.2010. 18-20 Uhr, WZB
Im Mittelpunkt der vorletzten Veranstaltung unserer Winter Lectures 2009/10 stand das Thema Open Innovation. Dazu begrüßten wir René Rohrbeck vom Institut für Technologie und Management der Technischen Universität Berlin. Herr Rohrbeck hat sich bereits als Jungwissenschaftler an mehreren Stellen mit den Themen Kundenintegration, frühe Nutzer und Innovationshürden befasst. Die Elektromobilität entwickelt sich derzeit noch unter den Bedingungen großer Unsicherheit bei zahlreichen Beteiligten. Dabei ist bereits der Wissensaustausch zwischen Anbietern, Tüftlern und Testkunden ein erster Schritt zur erfolgreichen Etablierung. Die Untersuchungen „offener Innovationsprozesse“ zeigen, dass der erfolgreiche Einbezug externer Fachleute und interessierten Laien zusätzliches Wissen schafft, Kosten spart sowie den Innovationsprozess beschleunigt. Voraussetzung, so Rohrbeck, ist jedoch die Findung geeigneter Themenstellungen, die in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit eine anhaltende und vertrauensvolle Motivation zum Mitwirken aktivieren. Im Bereich der Mobilität waren beispielsweise Onlineplattformen erfolgreich, auf denen sich verschiedenste Personen zur Eigenkreation von Fahrzeugkonzepten zusammenfanden, was selbst die Aufmerksamkeit großer Autobauer auf sich zog.
Den Kommentar sprach Andreas Manthey vom Bundesverband Solare Mobilität. Seit mehreren Jahrzehnten engagiert sich Herr Manthey für einen alternativen und nachhaltigen Verkehr, wobei er persönlich bei nutzernahen Innovationsprojekten mitwirkte. So startete er bereits Anfang der 1990er Jahre Versuche zum Umbau von konventionellen Kleinwagen zu Elektromobilen. Die Herausforderung sieht Manthey in der Gewinnung von Mitwirkenden und Fachwissen, wobei auch auf Know-how von Arbeitssuchenden und kleinen Tüftlern an der Basis zu setzen sei. Elektroautos zeigten, dass nicht alles von der Großindustrie neu zu entwickeln ist, sondern manches bereits „von unten“ vorausgedacht wurde und in anderer Form schon auf der Straße anzutreffen ist. Die abschließende Moderation, die Ulrich König vom InnoZ moderierte, kam zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Elektromobilität gerade aufgrund ihrer Frühreife interessante Ansätze für eine Öffnung des Innovationsprozesses bietet. Allerdings scheint nicht jeder Aspekt gleichermaßen geeignet, Motivation und Interesse auf sich zu ziehen. Die Klärung der Grundfragen, zu welchem Zweck und für welche Zielgruppe entwickelt wird, bleiben gerade bei Open Innovation zentral.

